Mit Gott gegen Demokratie und Menschenrechte? Die „Christliche Rechte“ im Fokus (Mediengespräch, 15.10.2026)

Wenn heute von einer Gefährdung der Demokratie durch Religion die Rede ist, dann richtet sich die Aufmerksamkeit meist auf den politischen Islam bzw. den Islamismus. Unterbelichtet bleibt, dass auch unter dem Deckmantel des Christentums ähnliche Tendenzen zu beobachten sind. Gerade im Bereich der katholischen Kirche kann eine Infragestellung bzw. Uminterpretation der Errungenschaften des 2. Vatikanums leicht mit einer Kritik an der liberalen Demokratie und ihren Freiheitsrechten verknüpft werden.

Religionssoziologische, politikwissenschaftliche und theologische Forschung hat sich deshalb dem Phänomen der christlichen Rechten zugewendet, die christliche Inhalte für antidemokratische, antifeministische und ausgrenzende Ideologien verwendet. Im deutschen Sprachraum ist dabei insbesondere der (Neo)Integralismus in den letzten eineinhalb Jahren in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, der die Trennung von Kirche und Staat in Frage stellt. Akteur:innen aus dem politischen und religiösen Feld schließen sich zusammen, um für eine „christliche Identität“ und gegen eine plurale und demokratisch verfasste Gesellschaft einzutreten – mit teilweise gravierenden Konsequenzen für nicht-katholische Menschen oder „katholische Häretiker:innen“. Im US-amerikanischen Kontext sind hier Netzwerke um Vizepräsident J.D. Vance zu nennen. In Deutschland ist Christian Machek vom Netzwerk „Europa Aeterna“ eine zentrale Figur: Er fungiert als religionspolitischer Referent für die AfD im Bundestag in Berlin. In Österreich sticht Edmund Waldstein hervor, Mönch und ehemals Dozent in Heiligenkreuz. Im Blog „The Josias“ forderte er die Errichtung eines katholischen Gottesstaats. Stift Heiligenkreuz hat sich mittlerweile offiziell von ihm distanziert.

Die katholisch-theologischen Fakultäten und kirchlich-pädagogischen Hochschulen Österreichs haben sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der christlichen Rechten befasst, die Bischöfe und der Vatikan zeigen sich alarmiert.

Dies ist u.a. Ergebnis der Bemühungen einer wissenschaftlich-akademischen Theologie an staatlichen Universitäten. Hier hat in den letzten Monaten auf Basis eines interdisziplinären Austauschs eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Wurzeln des (Neo)Integralismus sowie mit seinen Motiven stattgefunden. Sigrid Rettenbacher (Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz / University of Portland) und Angelika Walser (Universität Salzburg) informieren über den Stand der Forschung, zeigen, wie die christliche Rechte den deutschen und österreichischen Kontext beeinflusst, und stehen für Fragen zur Verfügung.

v

INPUTS:

Moderation: Alexander Behr
Diskurs. Das Wissenschaftsnetz