Wenn der Tod ins Leben tritt: Wie Gesellschaft und Arbeitswelt mit Verlust umgehen (Mediengespräch, 28.10.2026)

Allerseelen ist ein Tag des Erinnerns – und eine Gelegenheit, den Blick auf das zu richten, worüber wir im Alltag oft lieber schweigen: Sterben, Tod und Trauer. Obwohl sie zum Leben gehören, werden sie gesellschaftlich häufig ins Private verdrängt. Doch was geschieht, wenn Trauer nicht an der Bürotür endet? Wenn Menschen am Lebensende aufgrund von Armut, Wohnungslosigkeit oder Diskriminierung nur schwer Zugang zu Begleitung und Pflege finden? Und wie kann eine Gesellschaft Sorge so organisieren, dass niemand in existenziellen Krisen allein bleibt?

Dieses von Diskurs. Das Wissenschaftsnetz organisierte Mediengespräch beleuchtet Sterben, Tod und Trauer aus zwei wissenschaftlichen Perspektiven. Elisabeth Reitinger, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Wien, richtet den Blick auf Menschen, die am Lebensende besonders verletzlich sind. Wie können Hospiz und Palliative Care auch jene erreichen, die aufgrund ihrer Lebenssituation Ausgrenzung erfahren oder auf institutionelle Barrieren stoßen? Aktuelle Studien und Praxisprojekte zeigen, warum individuelle Zuwendung und Empathie zwar wichtig sind, aber erst gemeinsam mit Strukturen wirken, die soziale Teilhabe und Mitbestimmung ermöglichen. Denn eine würdevolle Begleitung bis zuletzt setzt voraus, dass Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Lebensweise oder sozialen Lage einbezogen werden.

Klaus Wegleitner, Soziologe und Sorgeforscher an der Universität Graz, rückt das Arbeitsleben ins Zentrum und zeigt anhand des europäischen Forschungsprojekts EU-CoWork, warum mitfühlende Arbeitswelten gefragt sind und wie Betriebe Menschen in existenziellen Krisen (z.B. im Fall von Tod oder schwerer Erkrankung eines Familienmitglieds) unterstützen können. Erste Ergebnisse verdeutlichen, wie präsent Trauer und Pflegeverantwortung im Arbeitsleben sind: 40 Prozent der Befragten berichten, in den vergangenen zwei Jahren Trauer erlebt zu haben. Zugleich zeigt sich, dass kollegialer Zusammenhalt allein nicht genügt. Welche Strukturen, Ansprechpersonen und Freiräume brauchen Beschäftigte, um in schwierigen Zeiten nicht allein gelassen zu werden?

Beide Perspektiven machen deutlich: Ein sorgender Umgang mit Sterben, Tod und Trauer ist keine rein private Angelegenheit. Er braucht solidarische Beziehungen ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen – am Arbeitsplatz, in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und in der Gesellschaft insgesamt. Welche Veränderungen sind notwendig, damit Sorge geteilt wird und Menschen auch in existenziellen Lebenssituationen Unterstützung, Anerkennung und Zugehörigkeit erfahren?

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Moderation: Sophie Menasse
Diskurs. Das Wissenschaftsnetz